Führung neu ausrichten in Griechenland

Unser Projekt geht über Retreats hinaus. Entdecken Sie die transformative Kraft der Mani und was sie in Ihnen auslösen kann.

Wenn der Steinkauz zeigt, wo’s langgeht – Egbert van Wyngaarden und Ioannis Kentzeas im Gespräch mit Yvonne Kremer


Yvonne: Egbert, du hast Griechenland – und speziell die Mani – als Ort für deine Retreats gewählt. Warum ausgerechnet dort?

Egbert: Die Mani ist einzigartig. Das Taygetos-Gebirge ragt steil aus dem Meer empor und lässt den Menschen wenig Platz. Wer hier leben will, muss wissen, was er tut. Das bringt dich an einen Punkt, an dem das Unwichtige von selbst abfällt. Deshalb ist die Mani ein idealer Ort für Retreats. Sie nimmt dir den Lärm des Alltags und schenkt dir Klarheit und Präsenz.

Yvonne: Was erwartet deine Teilnehmer dort?

Egbert: Wir laden sie ein, ganz in die Landschaft einzutauchen, in die Einfachheit, in die Stille. Das Äußere führt ins Innere. Es ermutigt, auf die Natur zu hören, auf die großen Fragen und auf die eigene Stimme. In diesem Geist habe ich auch mein Buch Knowing Thyself geschrieben: als Einladung, sich wieder zu verbinden mit dem, was wirklich zählt.

Yvonne: Ihr fühlt euch der Initiative Mountains for the Mind verbunden. Was steckt dahinter?

Egbert: Berge stärken mentales Wohlbefinden. Wir erleben es hier jeden Tag: Der Taygetos verändert, wie du denkst. In dieser Weite kannst du Mut, klare Gedanken, langfristige Perspektiven entwickeln.


“Das Unwichtige fällt hier
von selbst ab.”


Yvonne: Ioannis, deine Familie stammt aus der Mani. Wie prägt das eure gemeinsame Vision?

Ioannis: Für mich ist die Mani lebendige Geschichte. Das Dorf Thalames, wo meine Familie herkommt, steht für ein Leben im Rhythmus der Natur. Mein Vater ist in dieser Welt aufgewachsen und er spricht täglich davon. Seine Erzählungen vermitteln uns wertvolles Erfahrungswissen über eine Lebensweise, die weit in der Zeit zurückreicht.

Yvonne: Wie spürt man das, wenn man dort ist?

Ioannis: Wenn du im Olivenhain oder auf einem alten Bergpfad unterwegs bist, entdeckst du vielleicht einen Steinkauz, der dich von einem Ast aus beobachtet.

Yvonne: Die Natur schaut zurück…

Ioannis: Genau. Und das macht etwas mit dir. Es verändert dich.

Egbert: Plötzlich bist du nicht mehr in der messbaren Zeit – Chronos – drin, sondern in dem, was die alten Griechen Kairos nannten: dem Zeitgefühl der Natur. Solche Momente erden uns. Sie führen uns zurück in ein Denken, das die natürliche Welt mit einbezieht, so, wie es die Philosophen der Antike taten.

Yvonne: Was baut ihr gerade in Thalames auf?

Ioannis: Wir restaurieren das Haus meiner Vorfahren. Es ist ein schlichtes Bauernhaus, aber mit einer besonderen Geschichte. Wir möchten hier einen Ort schaffen, an dem man die Mani wirklich begreifen kann: ihre antiken Stätten, ihre Geschichten und Traditionen, und die ursprüngliche Lebensart.

Yvonne: Spielt Landwirtschaft dabei auch eine Rolle?

Ioannis: Ja, wir regenerieren die alten Olivenhaine der Familie und produzieren biologisches Olivenöl, alles in Handarbeit. Man findet uns auf www.gourato.com.

Egbert: Uns geht es um mehr als „Agrotourismus“. Wir wollen einen Rahmen schaffen, in dem Menschen echte Verbindung zum Land und zu den Menschen erleben können. Wer diese Einfachheit spürt, denkt anders – auch über Führung, Entscheidungen, über Verantwortung.


“Der Taygetos verändert,
wie du denkst.“


Yvonne: Das klingt nach einer großen, langfristigen Vision.

Egbert: Ist es auch. Weißt du, Thalames ist wirklich ein besonderer Ort. Das Dorf steht unter Schutz der Griechischen Behörden, weil es hier einst eine antike Stadt und ein berühmtes Orakel gab …

Ioannis: Der römische Kaiser Hadrian war hier. Kaiser Marc Aurel ließ sogar einen Tempel bauen.

Egbert: Und der Taygetos ist ein europäisches Naturschutzgebiet. Wir möchten, dass diese Landschaft bleibt, wie sie ist: lebendig, und zugleich Lebensgrundlage für die Menschen. Deshalb wollen wir lokalen Bauern helfen, Zugang zu Programmen für CO₂- und Biodiversitätskredite zu bekommen, damit ihre traditionellen Praktiken auch wirtschaftlich anerkannt und wertgeschätzt werden.

Yvonne: Und was nehmen die Menschen mit, die zu euch kommen?

Egbert: Wer nach Thalames reist, wird Teil von etwas Größerem. Ob beim Leadership-Retreat, auf einem Wandercoaching oder beim Olivenernten mit dem Team – jedes Retreat trägt dazu bei, dieses einzigartige Erbe zu bewahren. Und oft entsteht daraus etwas Konkretes: neue Ideen, neue Wege, um den Herausforderungen von morgen zu begegnen.

Ioannis: Für mich ist es ganz einfach: dass Menschen wieder entdecken, wie wenig man braucht, um gut zu leben. Ich erinnere mich an eine Geschichte meines Vaters. Das ganze Dorf versammelte sich, um einen Mühlenstein aus dem Fels zu schlagen und zur Ölmühle zu bringen. Bergauf! Gemeinsam konnten sie selbst solche schweren Aufgaben meistern. Die Mani hat so viel zu erzählen. Wir freuen uns, wenn wir davon ein Stück weitergeben dürfen.

Yvonne: Ich spüre richtig Lust, euch zu besuchen. Danke euch für das Gespräch!

Retreat anfragen

Wir unterstützen Mountains for the Mind, eine Kampagne des Trail Magazine. Sie zeigt, wie Zeit in der Natur unsere mentale Gesundheit fördert. Wir glauben an die lebensverändernde Kraft der Berge.